Zeitlicher Ablauf
Kann sich noch ändern. Schaut deshalb regelmäßig hier vorbei, um keine Änderungen zu verpassen.
Donnerstag, 10.09.
- ab 16 Uhr: Ankunft
- ab 19 Uhr: Abendessen
- 20:30 – 21:00 Uhr: Eröffnungsplenum
- 21:00 Uhr: Film & Gespräch: No Future Press. Repression von Linken in Russland
Freitag, 11.09.
- 09 – 10 Uhr: Frühstück
- 10 Uhr: Eröffnungsplenum
- 10:30 – 12:30 Uhr : Auftakt-Podium /-Gespräch „Zeitenwende?“ mit Klaus Dörre über die Änderung der Arbeitsverhältnisse
- 12:20 – 13:30 Uhr: Mittagspause
- 13:30 – 15:30 Uhr: Vortrag und Diskussion mit Heinrich Hofer und Julian K.-Duschek vom Distanz Magazin: Kritik des Krieges
- 16:30 – 18:30 Uhr: Workshopphase zur „Zeitenwende“ und Militarisierung
- 19:00 – 20:00 Uhr: Abendessen
- 21:00 Uhr: Lesung, „Der Umbruch. Oder Hanna und die Freiheit“, Alice Rühle-Gerstels feministische Stalinismuskritik
Samstag, 12.09.
- 09:00 – 10:00 Uhr: Frühstück
- 10:30 – 12:30 Uhr: Vortrag mit Wolfgang Hien: Brutalisierung der Arbeit
- 12:30 – 13:30 Uhr: Mittagessen
- 13:30 – 15:30 Uhr: Workshopphase
- 16:30 – 18:30 Uhr: Workshopphase
- 19:00 – 20:00 Uhr: Abendessen
- 21:00 Uhr: Hackebeil Konzert
Sonntag, 13.09.
- 09:00 – 10:00 Uhr Frühstück
- 10:30 Uhr – 12:00 Uhr: Abschluss
- im Anschluss Abbau / Abreise
Inhaltliches Programm
Wir stellen nach und nach die Ankündigungstexte hoch
Freitag 10:30 bis 12:30 Uhr – Auftakt
„Zeitenwende?“ und Gespräch mit Klaus Dörre über die Änderung der Arbeitsverhältnisse
Als Auftakt zum Wochenende zum Thema „Krise des Neoliberalismus“ kommen wir mit Klaus Dörre ins Gespräch über das Thema des Kongresses: Gibt es eine Krise des Neoliberalismus? Wenn ja, was kennzeichnet diese? Handelt es sich bei den aktuellen Veränderungen in Politik und Ökonomie um eine autoritäre Zuspitzung innerhalb des Neoliberalismus oder verdichten sich die gegenwärtigen Entwicklungen zu einer neuen Formation des Kapitalismus? Dabei wollen dabei insbesondere einen Blick auf die Situation und Veränderung von Arbeitsverhältnissen werfen.
Freitag 13:30 bis 15:30 Uhr – Vortrag
„So ist der Mensch dem Menschen ein Wolf.“ – Marginalien zu einer Kritik von Krieg und Gesellschaft
mit Heinrich Hofer und Julian K.-Duschek vom Distanzmagazin
Die in der Folge des Überfalls Russlands auf die Ukraine stehenden Veränderungen globalen Maßstabes erzeugt auch in der Linken ein gehöriges Maß an Orientierungslosigkeit. Entzieht sich schon der gesellschaftliche Normalzustand weitestgehend der vernünftigen Nachvollziehbarkeit, erzeugt der Krieg zusätzlich eine Realität, durch welche viele Gewissheiten ihre hergebrachte Orientierungsfunktion einbüßen.
Das Verhältnis von gesellschaftlichem Normalzustand und der vom Krieg bestimmten Realität erscheint dabei durchaus paradox. Tritt der Krieg mit Recht als gesellschaftlicher Ausnahmezustand auf, fügt er sich doch erstaunlich bruchlos in den gesellschaftlichen Normalverlauf ein.
In einer solchen Situation dürfen sich linke Theorie und Praxis nicht darin erschöpfen, sich mit den Fragen der Kriegsverursachung oder den vielen moralischen und juristischen Verwerfungen des Kriegsgeschehens auseinanderzusetzen. Vielmehr muss das gesellschaftliche Verhältnis des Krieges selbst in den Blick genommen und seine Beziehung zum gesellschaftlichen Normalverlauf diskutiert werden. Nur so kann eine Position gewonnen werden, welche sich dem realen Zwang der Verhältnisse zu widersetzen sucht und an der utopischen Perspektive von Frieden und Befreiung festhält.
Freitag 16:30 bis 18:30 Uhr – Workshopphase
Podcast hören zu „Der neue faschistische Körper“
Gemeinsam hören wir ein Podcastinterview, in welchem die Historikerin Dagmar Herzog zentrale Thesen ihres Essays „Der neue faschistische Körper“ vorstellt.
In diesem Podcast „zeigt Dagmar Herzog, wie tief rechte Körperbilder im Erbe der Eugenik verwurzelt sind – und warum sie heute so wirkmächtig sind. Sie erklärt, wie der „faschistische Körper“ als gewaltsame Fantasie bis in die Gegenwart reicht: im „sexy Rassismus“ der AfD, in der Lust an Aggression, in der Abwertung von Menschen mit Behinderungen und im tech-affinen Intelligenzfetisch der Gegenwart.
Herzog zeichnet Linien von der Rassenhygiene des Kaiserreichs über die widersprüchliche Mischung aus Enthemmung und Brutalität im Nationalsozialismus bis hin zur Neuen Rechten in Deutschland und den USA. Ihr zentrales Argument: Faschismus funktioniert nicht nur über Angst, sondern auch über Erotik. Über Begehren, Erniedrigung und die Vorstellung des „perfekten“ Körpers.“
Nach dem gemeinsamen Hören der Podcast-Folge wollen wir mit euch darüber in Austausch kommen und schauen zur Vertiefung in das Essay rein.
Podcast hören zu – „Standortpatriotismus & Rechtsruck“
Gemeinsam hören wir die Podcastfolge von analyse & kritik zu „Standortpatriotismus und Rechtsruck“. In dieser Folge beschäftigt sich der Wirtschaftsjournalist Stephan Kaufmann (u.A. freier Autor bei der linken Tageszeitung nd) mit Deutschlands Angst vor dem Verlust der Vormachtstellung auf dem Weltmarkt. Kritisiert wird dabei die derzeitige Krisen-Erzählung und dem damit verbundenen Standortpatriotismus der Mitte, denn diese „Erzählung fußt auf der Darstellung der kapitalistischen Klassengesellschaft als großer Kooperative, als großem Miteinander, in dem alle ihren Beitrag leisten: Die Lohnabhängigen bieten ihre Arbeit, die Unternehmen die Maschinen und Fabriken. Gemeinsam produzieren sie das Bruttoinlandsprodukt der Volkswirtschaft beziehungsweise das Nationaleinkommen – »Inland«, »Nation« und »Volk« definieren die Grenzen dieser Produktionsgemeinschaft, die in eine Krise geraten sein soll“.
Nach dem hören der Folge wollen wir mit euch über da Gehörte diskutieren und lesen zur Vertiefung in ein paar Artikel zum Thema rein.
Militarisierung des Gesundheitswesens seit der Zeitenwende, Workshop mit Michael Janßen, Verein demokratischer Ärzt*innen
Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine hat die Aufrüstung auch in der BRD neue Dimensionen erreicht. Das schlägt propangandistisch auf die gesamte Gesellschaft durch, die auf einen Krieg vorbereitet werden soll.
Das Gesundheitswesen nimmt eine besondere Rolle ein, es muss im Kriegsfall auf militärische Bedarfe ausgerichtet sein. Die Vorbereitungen dazu im mindset, in Bundesplänen und konkreten Umsetzungen in Großstädten sind in vollem Gange. Das Themenfeld wird gemeinsam erarbeitet und diskutiert.
Vortrag und Gespräch, Der Tjumen-Fall: Russlands Unterdrückung des Antikriegswiderstands – 6 Genoss*innen in Haft, Vortrag & Gespräch mit No Future Press
In dem Vortrag wird über die aktuelle Verfolgung von Antifaschist*innen und Anarchist*innen in Russland am Beispiel des Tjumen-Falls berichtet. Im Mittelpunkt stehen der laufende Prozess gegen sechs Angeklagte, die gegen sie erhobenen Vorwürfe sowie die zunehmende staatliche Repression gegen den Antikriegswiderstand.
Im anschließenden Gespräch wollen wir uns darüber austauschen, wie internationale Solidarität mit politischen Gefangenen praktisch organisiert werden kann. Dabei geht es auch um Erfahrungen aus der laufenden Unterstützungskampagne für die Gefangenen, ihre Familien, Angehörigen und Freund*innen.
Was können wir von unseren russischen Genoss*innen lernen? Welche Konzepte und Formen des Antikriegswiderstandes lassen sich auf unsere eigene Praxis übertragen? Wie können wir Antikriegswiderstand international denken? Und welche Möglichkeiten haben wir, über Grenzen hinweg solidarisch und praktisch handlungsfähig zu werden?
Samstag 10:30 bis 12:30 Uhr – Vortrag
„Brutalisierung der Arbeit“ mit Wolfgang Hien
In Klassengesellschaften waren Arbeit und Leben schon immer mit Machtausübung, Unterdrückung und Brutalität verbunden.
Im neoliberalen Kapitalismus haben sich jedoch Methoden und kulturelle Kontexte der Ausbeutung gewandelt.
Auf tradierte Formen der Brutalisierung schichten sich neue Formen der Brutalisierung auf. Arbeitende werden als ganze Person in eine hoch entfremdete, Geist und Körper zerstörende symbolische Ordnung hineingezogen.
Krankmachende Arbeitsbedingungen werden individualisiert, Kapitalisten machen Jagd auf Kranke, sozialstaatliche Hürden werden aufgeweicht und erodiert. Machtgebrauch und Machtmissbrauch werden zur Normalität umgedeutet.
Gleichwohl gibt es (noch) Anknüpfungspunkte für Arbeitende, sich gegen Zumutungen und Brutalisierung zur Wehr zu setzen.
Im Vortrag werden, neben einer historischen Hinführung und der Darstellung einiger kritisch-arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse Hinweise gegeben, wie Betroffene am Arbeitsplatz Schutzmaßnahmen ergreifen können – als Voraussetzung, Arbeits- und Lebensverhältnisse im Sinne der Menschenwürde umgestalten zu können.
Samstag 13:30 bis 15:30 Uhr – Workshopphase
Die linke Sehnsucht nach Volk und Nation, Vortrag von Thorsten Mense
Wenn man derzeit linke Diskurse verfolgt, könnte man meinen, die 1980er-Jahre sind zurück. Von »nationaler Befreiung« ist dort die Rede, und dem Kampf der »Völker« gegen den Imperialismus. Vor allem seit dem antisemitischen Massaker der Hamas in Israel am 7. Oktober 2023 hat das alte antiimperialistische Weltbild wieder Hochkonjunktur und rote Gruppen wollen hierzulande „dem Volke dienen“. Aber auch die linke Solidarität mit der Ukraine kommt kaum ohne die Übernahme nationalistischer Narrative aus. Das »Volk« als Subjekt der Befreiung scheint zurück.
Angesichts dieser Regression soll in dem Vortrag noch einmal auf das Verhältnis der Linken zu Volk und Nation, die Geschichte nationaler Befreiungskämpfe und die Fallstricke von Befreiungsnationalismus und Antiimperialismus geschaut werden.
Woher kommt das Revival nationaler Befreiung? Wer soll da eigentlich von wem befreit werden? Wie kann es sein, dass sowohl baskische Kommunist*innen als auch deutsche Neonazis ein »Europa der freien Völker« fordern? Und was ist eigentlich aus der antinationalen Kritik geworden?
„Capitalism? After all this Time? Zur Debatte um den Techno-Feudalismus“ mit dem AK Transformationen des Kapitals
Mit der rasanten Verbreitung digitaler Technologien verändert sich auch der Kapitalismus. Seit einiger Zeit wird darüber gestritten, wie die Folgen dieser Veränderungen einzuordnen sind und mit welcher Form des Akkumulationsregimes wir es heute zu tun haben.
Teile der Linken kommen dabei zu dem Schluss, dass wir uns auf das Ende des Kapitalismus zubewegen. Was uns erwarte, sei jedoch nicht die befreite Gesellschaft, sondern ein Techno-Feudalismus, in dem die ärmeren 99 % als Neo-Leibeigene auf den digitalen Feldern der Tech-Lords schuften. Die Macht der Tech-Konzerne sei inzwischen so groß, dass sie sich über die Nutzung ihrer digitalen Infrastrukturen weltweit Profite aneignen können.
Im Workshop wollen wir uns gemeinsam mit der aktuellen Debatte um den Techno-Feudalismus auseinandersetzen und eine Kritik entwickeln, die aktuelle kapitalistische Dynamiken ernst nimmt, ohne vorschnell das Ende des Kapitalismus auszurufen.
Misogynie und Krise am Beispiel der Manosphere mit Keine Mehr aus Leipzig
In maskulinistischen Diskursen in den letzten Jahrzehnte hat sich ein Opfermythos etabliert, in dem sich Weiblichkeit als gesellschaftsdominierend vorgestellt wird. Die „hypergame Frau“ kontrolliere angeblich den Mann durch ihre Sexualität. Die sich verschärfende Krise des Neoliberalismus wird dabei irrational verarbeitet. Sie wird auf Frauen und Personen, denen Weiblichkeit zugeschrieben wird projiziert. Vorgeworfen wird ihnen, den Mann durch „zu viel Feminismus“ destabilisiert zu haben und damit ein Aussterben der ‚weißen Kultur‘ zu riskieren.
Im Vortrag wird die These vorgestellt, dass dieser Anstieg von Misogynie Ausdruck einer massiven neopatriarchalen Care- und Reproduktionskrise ist. Ein irrationaler Krisenmodus der auch im engen Zusammenhang mit der anhaltenden kulturellen Reproduktion eines männlichen Subjekts steht, das einen Dominanz- und Verfügungsanspruch in Bezug auf Weiblichkeit erhebt. Im äußersten Fall endet dieser Besitzanspruch im Femizid. An Hand der „Manosphere“ wird außerdem gezeigt, wie sich das alles durch eine verstärkte Raumnahme im Digitalen wie Analogen äußert: Die dort entstandenen Red-Pill- und Black-Pill-Erzählungen sind Ausdruck einer anhaltend misogynen Verarbeitung gesellschaftlicher Missstände. Diese destruktive männliche Verarbeitung der Krise mündet oft in Gewalt gegen FLINTA* und macht daher ein entschlossenes Arbeiten gegen misogyne Männlichkeit notwendig. Darauf bezogen wollen wir auch über Möglichkeiten einer angemessenen feministischen Praxis und Selbststärkung im Themenfeld „dominante Männlichkeit“ diskutieren.
Indirekte Steuerung: Gegenwärtige Formen der Arbeitsorganisation – krasse Ausbeutung, aber auch Weg zur Befreiung? mit Stephan Siemens
Die Theorie der „indirekten Steuerung“ beschreibt die Veränderungen in der Arbeitsorganisation, die mit dem Neoliberalismus verbunden ist. Die Organisation der Unternehmen in Form von organisierten Märkten und die sozialtechnologische Konzeption der Teamarbeit ermöglichen es den Unternehmen, den Beschäftigten mehr und mehr die Unternehmerfunktionen zu überlassen. Dadurch wird in den Unternehmen die Ausbeutung (intensiv und extensiv) verschärft; in Behörden und Einrichtungen werden Kosten gespart. Dafür werden sozialwissenschaftliche Theorien sozialtechnologisch angewendet genutzt.Der Workshop stellt diese Veränderungen systematisch dar.
Ausgangspunkt dafür ist ein historischer Fortschritt in der Entwicklung der Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit: Die Beschäftigten bearbeiten ihre Arbeit und Zusammenarbeit, verbessern sie, entwickeln sie weiter – wenn auch im Dienste der kapitalistischen Produktion. Der Neoliberalismus stellt eine kapitalistische Entwicklungsform dieser neuen Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit dar. Aber die „indirekte Steuerung“ ist nur möglich, solange sie den Beschäftigten unbewusst bleibt. Die Rechtsentwicklung zeigt: Der Kapitalismus ist inzwischen zu einer Fessel der weiteren Entfaltung dieser Produktivkräfte geworden. Schon jetzt ringen Betriebsräte und Beschäftigte in manchen Unternehmen darum, ökologische und soziale Kriterien in die Entwicklung der Produkte und der Produktion einzubeziehen, scheitern aber meist am Profitprinzip. Wie lassen sich diese Ansätze für eine revolutionäre Perspektive nutzen? Und zeigt sich darin, die Möglichkeit und zugleich die Notwendigkeit einer sozialistische Überwindung des Kapitalismus?
Samstag 16:30 – 18:30 Uhr – Workshopphase
Zeitenwende in der Arbeitswelt mit Stephan Krull
„Wir wollen nicht für den Krieg produzieren!“
Das alte Geschäftsmodell der (Auto)Industrie mit teuren Autos und gigantischem Exportüberschuss funktioniert nicht mehr. Die Abwesenheit von Profit ist ein Horror für das Kapital und die Eigentümer*innen: Deshalb setzen sie auf Rüstungsproduktion und maximale Profite. Die Bundesregierung hat hunderte Milliarden Euro dafür locker gemacht: whatever it takes. Das hat Konsequenzen für den Sozialstaat, für die Arbeiterinnen und Arbeiter in den von der Krise betroffenen Industrien.
Zeit zu Denken ohne Geländer. Zeit zu Denken über andere Produkte und eine andere Produktionsweise. Es geht darum, im Kulturkampf unsere Ideen und Werte zu artikulieren: wie können und wollen wir gemeinsam leben?
Es geht um eine konkrete Vision einer Gesellschaft gleicher und freier Menschen, die sich gegenseitig helfen und unterstützen – eine Vision, die an jedem Ort, in jeder Universität und jeder Fabrik konkret greifbar mit Alltagserfahrungen verbunden ist.
Vortrag & Diskussion „Braucht der Kapitalismus ein Geschlecht“ mit Antifaschistischer Frauenblock Leipzig
Seit der Zweiten Frauenbewegung gab und gibt es ganz verschiedene Erklärungen, wie Kapitalismus und Geschlecht wohl zusammenhängen. Mal wird die Trennung von Produktions- und Reproduktionssphäre oder auch die Spannung von Sorge- und Lohnarbeit zum Ausgangspunkt genommen; mal die Frage, ob das Patriarchat den Kapitalismus oder der Kapitalismus das Patriarchat (wie wir es kennen) geformt hat. Von Frigga Haug über Silvia Federici bis hin zu Roswitha Scholz ist ganz unterschiedlichen Positionen gemein, dass ein innerer Zusammenhang angenommen wird. In dieser Veranstaltung wollen wir die Perspektive wechseln und fragen, ob der Kapitalismus die binäre, hierarchische Geschlechterordnung überhaupt braucht – also zumindest theoretisch.
Antifaschistischen Interventionen gegen das „Institut für Staatspolitik“, Vortrag & Diskussion mit dem Kollektiv „IfS-dichtmachen“
Als Kollektiv „IfS-dichtmachen“ organisieren wir seit mittlerweile zehn Jahren praktische antifaschistische Interventionen im ländlichen Sachsen-Anhalt und versuchen über die Umtriebigkeiten der Neuen Rechten in Schnellroda und darüber hinaus aufzuklären.
Das – sich im südlichen Sachsen-Anhalt befindliche – Dorf Schnellroda ist im Netzwerk der Neuen Rechten von besonderer Bedeutung. Hier nutzen AfDler, Identitäre und weitere faschistische Menschenfeinde die Strukturen des „Institut für Staatspolitik“ und „Verlag Antaios“ (in der letzten Zeit umbenannt – dazu mehr im Vortrag), um sich zu vernetzen und sich dem eigenen reaktionären Gedankengut in feierlicher Atmosphäre zu widmen. Die in Schnellroda vorgedachten Inhalte sollen nun konkret durch eine AfD-Landesregierung umgesetzt werden.
Wir möchten euch über die Vorgänge in Sachsen-Anhalt und vor allem in Schnellroda informieren und praktische Handlungsmöglichkeiten gegen die Aktivitäten der Neuen Rechten aufzeigen.
Workshop zum Zerfall der neoliberalen Gesellschaft mit Jan von den Falken Thüringen
Im Workshop soll der Frage nachgegangen werden, was „Krise des Neoliberalismus“ eigentlich heißt, ob es sie überhaupt gibt und was eine linke Gegenwehr auf der Höhe der Zeit sein könnte. Dafür wird ein dialektischer Krisenbegriff entwickelt und anhand aktueller Beispiele diskutiert. Krise ist, wenn die äußerliche Verselbstständigung der inneren Pole einer gesellschaftlichen Form so weit getrieben wurde, dass das sie verbindende innere Band zerreißt. Dabei geht es nicht nur um die Ökonomie, sondern genauso um den Zerfall des Subjekts, der Staatsgewalt, der Nation und so weiter in ihre Einzelteile. Daran anschließend wird ein Begriff des Neoliberalismus als von oben forcierter Revermarktlichung sozialer Beziehungen als Herrschaftstechnik vorgestellt. Ausgehend von diesen Begriffsklärungen soll die Frage nach einer Krise des Neoliberalismus und Antworten auf sie diskutiert werden.
Abendprogramm
DONNERSTAG: Filmabend & Gespräch mit No Future Press zu Repression von Linken in Russland: „Young Antifa: How Teenagers Become Antifascists and Why the State Persecutes Them“
Wir zeigen die Dokumentation „Young Antifa“ und laden anschließend zum Gespräch über die Lage der antifaschistischen Bewegung in Russland ein.
Der Film erzählt die Geschichte von Bogdan Yakimenko und einer Gruppe junger Menschen aus der russischen Provinz. Weil sie antifaschistische T-Shirts bedruckten und über soziale Medien vertrieben, gerieten sie in das Visier der russischen Geheimdienste. Die Folge: Strafverfahren, Haftstrafen, Flucht ins Exil – und Verluste im eigenen Kreis.
Die Geschichte dieser Jugendlichen steht beispielhaft für die Realität vieler Aktivist*innen in Russland: Während die einen im Gefängnis sitzen, versuchen andere aus dem Untergrund oder dem Exil heraus Soli-Aktionen, Anwaltskosten und Unterstützung für politische Gefangene zu organisieren.
Der Film wurde 2023 vom unabhängigen Dokumentarfilm-Projekt ROMB produziert. Inzwischen wurde das Projekt vom russischen Staat als „ausländischer Agent“ eingestuft und in seiner Arbeit blockiert. Einige der Filmschaffenden wirken heute an Dokumentationen für No Future mit.
Im Anschluss an die Vorstellung sprechen wir mit den Macher*innen des Films und Betroffenen der Repression über die Hintergründe der Dokumentation, sowie darüber, wie antiautoritäre und antifaschistische Kräfte im russischen Untergrund versuchen, Widerstand gegen die militärische Aggression des Polizeistaates zu leisten.
Passend zum Abendprogramm gibt es leckeren Bortsch – sowohl vegan als auch in der traditionellen Variante.
Alle Einnahmen und Spenden des Abends fließen direkt in die Medienarbeit sowie in die Unterstützung der Familien antifaschistischer politischer Gefangener in Russland.
DONNERSTAG: Zeit zu Saufen – die legendäre Erfurter Do-Bar schmeißt den Tresen bei Zeit zu Denken
FREITAG: Lesung – „Der Umbruch. Oder Hanna und die Freiheit“ Alice Rühle-Gerstels feministische Stalinismuskritik
„‘Wenigstens wirst du’s leicht haben beim Inquisitionsgericht‘, seufzt Jarmila kindlich. ‚Mir haben sie gestern ein scharfes Misstrauensvotum gegeben: weil ich in die Rubrik ‚Ehemann oder ständiger Lebensgefährte in den letzten drei Jahren‘ gleich fünf Namen geschrieben habe … Ich wollte die Partei nicht beschwindeln, und außerdem bekommen sie ja sowieso alles heraus …‘ Hanna setzte sich erstaunt auf. ‚Was redest du da für einen Unsinn?‘ fragte sie. […]
In der Sowjetunion wurde schon seit ein paar Wochen eine heftige Kampagne geführt: die alten, wohlvertrauten ‚bürgerlichen Vorurteile‘ – Familienleben, eheliche Treue, das gemütliche Heim – waren wieder aus der Rumpelkammer hervorgezogen worden und wurden im Ersten Arbeiterstaat der Welt den Proleten als neueste Ideale kommunistischer Moral vorgestellt. […] War das nicht die Ouvertüre zu einem Stück, das die Preisgabe wichtigster revolutionärer Errungenschaften enthalten musste?
Was sie aber nicht gewusst hatte und eben jetzt von Jarmila erfuhr, war, dass die tschechische Partei, entlang der neuen Linie konformistisch umschwenkend, an ihre Mitglieder Fragebogen verteilt hatte, in denen eine ausführliche Beichte über das Privatleben abgefordert wurde.“
(Alice Rühle-Gerstel, Der Umbruch. Oder Hanna und die Freiheit, Berlin 2022, S. 166-167).
Treue zur Partei oder „ins Leere fallen“? Alice Rühle-Gerstel verfasste Ende der 1930er Jahre in Mexiko einen Exil-Roman. Er spielt im kommunistischen Exilanten-Milieu in Prag um 1935. Sie stellte in dem Roman nichts weniger als die Frage danach, ob- und inwiefern Freiheit überhaupt noch möglich ist – angesichts des drohenden Siegeszugs des Faschismus in Europa und der Stalinisierung der kommunistischen Bewegung, die den ZeitgenossInnen doch als Trägerin des historischen Fortschritts erschien und einzig wirkmächtige Kraft gegen den Faschismus. Durch die Entwicklung ihrer Romanfigur bezieht Rühle-Gerstel Stellung zu dieser Frage. Der Roman ist eine glühende, emotional wuchtige Kritik an Stalinismus und jeder Parteidisziplin. In ihrer Kritik arbeitet sie Freiheit, Subjektivität und Differenz der Einzelnen innerhalb der Bewegung als Voraussetzung ihres zukünftigen Sieges heraus.
Der Roman wurde nicht in den Kanon der Renegaten-Literatur aufgenommen. Weder von Linken noch von der Wissenschaft. Das könnte daran liegen, dass er erstmals 1984 erschien – und sein Gegenstand längst historisch erschien. Ein weiterer Grund besteht aber vermutlich auch darin, dass er vordergründig als „Frauenroman“ erscheint. Rühle-Gerstel entfaltete ihre Kritik am Stalinismus an den spezifisch weiblichen Erfahrungen der ProtagonistInnen. Es geht um FreundInnenschaften, Sehnsüchte nach den Ehemännern, die in den frühen KZs gefoltert werden, es geht um sexuelles Wollen und Begehren – um die massiven Zweifel der Protagonistin Hanna an sich und der Bewegung, die ihre Versprechen einfach nicht einlöst – und die eine Dynamik entfaltet, die sich zunehmend gegen die Freiheit ihrer Mitglieder richtet.
In der Lesung werden relevante Romanstellen vorgestellt und historisch kontextualisiert. Außerdem wird es ein bisschen Musik geben. Vermutlich wird die Lesung lang – aber spannend. Trinkt Sekt 🙂
SAMSTAG: Hackebeil-Crew presents – Abschlusskonzert am Samstag Abend
ATOMBOMBE & PUNK AUS DER DOSE MIT MÄUSEPISSE & SCHWARTENKRACHER